08.08.2026
Warum man an diesem Abend eigentlich nirgendwo anders sein will
Es gibt Termine, die stehen im Dorf einfach im Kalender. Und zwar nicht nur im Kalender auf dem Handy, sondern irgendwie auch im Kopf. Das Brunnenfest gehört in Lorbach definitiv dazu.
Im vergangenen Jahr war noch alles ein bisschen größer. 1250 Jahre Lorbach wollten schließlich gebührend gefeiert werden und so gab es ein Jubiläums-Brunnenfest, das wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Dieses Jahr ging es wieder etwas kleiner und gemütlicher zu. Aber kleiner heißt auf dem Dorf ja bekanntlich nicht automatisch weniger schön.
Im Gegenteil.

Brunnenplatz statt Urlaub
Samstagabend, 18 Uhr. Der Brunnenplatz ist vorbereitet, Tische und Bänke stehen bereit und die ersten Gäste kommen. Es dauert nicht lange, da sind die Plätze auch schon gut gefüllt.
Man kennt das ja: Eigentlich wollte man nur „mal kurz vorbeischauen“. Ein Getränk, vielleicht etwas vom Grill und dann wieder nach Hause.
Funktioniert auf einem Dorffest ungefähr genauso gut wie „Ich bleibe heute nicht lange“.
Denn plötzlich sitzt man mit Leuten am Tisch, die man schon ewig kennt. Oder mit welchen, die man bisher eigentlich nur vom Sehen kannte. Man kommt ins Gespräch, erzählt, was es Neues gibt, und stellt irgendwann fest, dass aus dem kurzen Besuch längst ein ganzer Abend geworden ist.
Und genau dafür sind solche Feste da.


Steaks, Würstchen und eine Currywurst mit erstaunlichem Erfolg
Für das leibliche Wohl war natürlich ebenfalls gesorgt. Steaks und Würstchen vom Grill, Pommes, verschiedene Salate und kühle Getränke standen bereit.
Und dann gab es da noch die Currywurst, mit Inas selbstgemachter Currysauce.
Zum ersten Mal auf dem Brunnenfest angeboten und offenbar genau das, worauf Lorbach gewartet hatte. Die Currywurst entwickelte sich jedenfalls schnell zum Renner des Abends. Man könnte fast meinen, sie hätte schon immer zum Brunnenfest gehört.
Vielleicht muss der Dorfverein darüber nachdenken, ob sie nächstes Jahr wieder auf der Speisekarte stehen sollte. Die Nachfrage dürfte dafür sprechen.

Auf dem Dorf kennt man sich. Oder lernt sich kennen.
Das Schöne am Brunnenfest ist aber nicht nur das Essen und die Musik.
Manche ehemalige Lorbacherinnen und Lorbacher kommen extra wieder zurück in ihre alte Heimat. Man trifft Menschen wieder, die heute anderswo wohnen. Manchmal kommen sogar ganze Familien zusammen, die inzwischen über mehrere Orte verteilt leben.
Und dann sitzt man plötzlich wieder gemeinsam am Brunnen.
Es wird erzählt, gelacht und diskutiert. Man tauscht sich aus, bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand und erfährt Dinge, die man sonst wahrscheinlich nie erfahren hätte.
Denn auf dem Dorf ist das so: Man kennt sich. Und wenn man sich noch nicht kennt, dann lernt man sich eben kennen.
Das Brunnenfest bietet dafür die perfekte Gelegenheit.

Keine High-Heels, kein Dresscode, einfach kommen
Auch modisch ist so ein Brunnenfest eher unkompliziert.
Niemand muss sich Gedanken darüber machen, was gerade angesagt ist. High-Heels braucht hier kein Mensch. Durchgelatschte Sneaker tun es auch.
Überhaupt gibt es keinen Dresscode. Man kommt einfach so, wie man ist.
Und genau das macht die Sache angenehm.
Hier sitzt derjenige, der schon seit Jahrzehnten in Lorbach lebt, neben demjenigen, der erst vor ein paar Jahren hergezogen ist. Der ehemalige Nachbar trifft auf den früheren Klassenkameraden. Und irgendwo dazwischen sitzt wahrscheinlich jemand, den man eigentlich nur deshalb kennt, weil man sich bisher immer beim Edeka kurz „Hallo“ gesagt hat.
Auf dem Brunnenfest reicht das dann plötzlich für ein längeres Gespräch.

Gemeinschaft entsteht nicht von allein
Vielleicht merkt man an einem solchen Abend besonders deutlich, was ein Dorf ausmacht.
Gemeinschaft entsteht nicht einfach dadurch, dass Menschen am selben Ort wohnen. Sie entsteht dadurch, dass man sich begegnet. Dass man miteinander redet. Dass man gemeinsam Zeit verbringt.
Feste wie das Brunnenfest schaffen genau solche Begegnungen.
Sie bringen Alteingesessene und Zugezogene zusammen, lassen alte Freundschaften wieder aufleben und ermöglichen neue Bekanntschaften. Sie schaffen „bonding“ zwischen Nachbarn und „bridging“ zu denjenigen, die neu im Ort sind.
Und manchmal reicht dafür tatsächlich ein Tisch, ein paar Bänke, etwas zu essen und ein schöner Sommerabend.

Tombola für die Kleinen und die Großen
Natürlich durfte auch die Tombola des Dorfvereins nicht fehlen.
Zuerst waren die Kinder an der Reihe. Sie konnten sich über eine eigene Verlosung freuen und anschließend aus den gewonnenen Preisen etwas aussuchen.



Danach kamen die Erwachsenen.
Auch hier war die Spannung groß, schließlich weiß man ja nie, ob man mit einem tollen Gewinn nach Hause geht oder zumindest mit der Erkenntnis, dass man beim nächsten Mal einfach mehr Lose braucht.

Wenn aus Sitzen Tanzen wird
Später am Abend übernahm DJ Rü-Digga das musikalische Kommando.
Hits aus den vergangenen Jahrzehnten sorgten dafür, dass sich die Stimmung noch einmal veränderte. Aus dem gemütlichen Zusammensitzen wurde nach und nach ein Mitsingen, Mitwippen und schließlich auch Tanzen.
Und irgendwann ist es auf einem Dorffest eben wie immer: Die ersten stehen auf, kurz darauf sind es mehr und plötzlich entsteht neben der Theke eine Tanzfläche, obwohl vorher eigentlich gar keine vorgesehen war.
So wurde aus einem schönen Sommerabend eine lange Nacht.

Ein Fest funktioniert nur gemeinsam
Was man als Gast vielleicht gar nicht so sehr wahrnimmt: Hinter einem solchen Abend steckt jede Menge Arbeit.
Bevor die ersten Gäste kommen, müssen Tische und Bänke aufgebaut, Getränke bereitgestellt und die Essensausgabe vorbereitet werden. Die Tombola muss organisiert und bestückt werden. Salate wollen vorbereitet und mitgebracht werden. An der Theke und beim Essen müssen Helferinnen und Helfer bereitstehen.
Und wenn irgendwann der letzte Gast gegangen ist, ist der Abend für die Helfer noch lange nicht vorbei. Dann heißt es wieder: aufräumen, abbauen und alles zurück an seinen Platz bringen.
Deshalb gilt unser besonderer Dank allen, die mitgeholfen haben – beim Aufbau, an der Theke, beim Essenverkauf, bei der Vorbereitung der Tombola, mit ihren gespendeten Salaten und natürlich beim Abbau.
Danke an DJ Rü-Digga für die Musik.
Und danke an alle, die vielleicht nur eine kleine Aufgabe übernommen haben, ohne die das Ganze aber am Ende nicht funktioniert hätte.


Und natürlich: Danke an euch!
Ein Fest lebt aber nicht nur von denjenigen, die es organisieren.
Es lebt vor allem von den Menschen, die kommen.
Von denen, die sich an einen Tisch setzen. Von denen, die jemanden wiedererkennen. Von denen, die „nur kurz“ bleiben wollten. Von denen, die neue Leute kennenlernen. Von denen, die gemeinsam lachen, essen, trinken und später tanzen.
Und genau deshalb war das Brunnenfest 2026 vielleicht kleiner als das große Jubiläumsfest im vergangenen Jahr.
Aber ganz sicher nicht weniger wichtig.
Denn manchmal braucht es gar keine Jahrfeier.
Manchmal reichen ein Brunnenplatz, ein warmer Sommerabend, gute Musik, eine Currywurst und viele Menschen, die Lust haben, miteinander Zeit zu verbringen.
Das ist Dorfleben. Und genau dafür gibt es das Brunnenfest. Bis nächstes Jahr!